Wir erhalten viele Mails von Frauen und fast immer spielt diese Frage eine Rolle. Natürlich haben wir dafür kein pauschales Rezept. Da ist jede Paarbeziehung doch wieder anders. Trotzdem einige Bemerkungen dazu:

Offensichtlich treffen Potenzstörungen fast jeden Mann sehr stark. In einer Gesellschaft, in der Männlichkeit mit Potenz gleichgesetzt wird, ist ein Mann, der Potenzprobleme hat, ein Versager, ein “Schlappschwanz”. Die Erfahrung, sexuell zu versagen, trifft die meisten Männer so sehr, dass sie sich zurückziehen und irgendwie versuchen, alleine damit fertig zu werden. Sie gehen dann konsequenterweise auch allen Zärtlichkeiten aus dem Weg, nur um nicht an dieses Defizit erinnert zu werden.

Unsere Erfahrung ist auch, dass viele Männer ihren Partnerinnen nicht glauben können, wenn sie sagt, dass sie auch mit seinen Erektionsstörungen leben kann. Die Angst, dass sie ihn nur trösten will, sich aber in Wirklichkeit nach “hartem” Sex sehnt, ist groß. Und was passiert, wenn ihr mal ein potenter, attraktiver Mann über den Weg läuft?

Bei Männern, die nicht allen Zärtlichkeiten aus dem Weg gehen, spielt die Angst vor dem Versagen beim nächsten intimen Zusammensein ein große Rolle. Nun ist Angst natürlich tödlich für den Sex. Da steckt mann schnell in einem Teufelskreis (Angst bewirkt Versagen, das Versagen verstärkt die Angst), aus dem es kein Entrinnen gibt. Wir sehen zwei Auswege aus dieser Situation:

  1. Mit Hilfe von Medikamenten oder Hilfsmitteln kann man aus diesem Teufelskreis ausbrechen. Das Gefühl, wieder einmal eine gute Erektion zu haben, kann schon sehr beglückend und befreiend sein.
  2. Das beste Mittel gegen Versagensangst ist, eine Situation zu schaffen, in der es kein Versagen gibt. Im Klartext: Wenn sie ihm zeigen kann, dass er sie auch ohne Erektion voll befriedigen kann, dann ist das sehr hilfreich.

Männer sollten auch wissen, dass Potenzprobleme auf eine noch nicht erkannte Krankheit wie beispielsweise Diabetes oder Arteriosklerose hinweisen können. Eine Abklärung der Ursachen ist daher enorm wichtig, damit gegebenenfalls rechtzeitig eine Therapie eingeleitet werden kann. Falls dem Mann das nicht bewusst ist, kann ihn die Partnerin darauf hinweisen.

Ihr
Dr. Dieter Horrmann